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01 Inneres Kind finden- ©www.canva.com

Dein inneres Kind finden, verstehen und kennenlernen

Manchmal kommen wir in Situationen, in denen wir unverhältnismäßig emotional reagieren. Grund dafür kann unser inneres Kind sein. Was es damit auf sich hat, erfährst Du hier.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist das innere Kind?
  2. Wie Du das innere Kind findest und heilst – 5 Schritte
  3. Weitere Übungen für das innere Kind
  4. Interview mit Stefanie Stahl
  5. Fazit

Immer wieder kommt es zu Situationen, die uns „triggern“. Situationen, die in uns negative Gefühle auslösen. In denen wir uns schlecht behandelt fühlen und die uns gefühlt in eine Ohnmachtshaltung befördern.

Das kann im ganz normalen Alltag während eines Spaziergangs oder einer Fahrradtour sein, wenn Dich eine unfreundliche Person verbal attackiert, weil Du gerade auf der falschen Straßenseite fährst. Oder aber, wenn ein Kollege bei der Arbeit einen beißenden Spruch über Deine Arbeit macht.

Ein weiterer Ort, an dem es immer wieder zu Triggern kommt, ist die Partnerschaft. Vermeintliche Kleinigkeiten können unbeabsichtigt zu Konflikten werden, weil ganz unbewusst das innere Kind getriggert wird.

1. Was ist das innere Kind?

Das innere Kind ist ein Modell aus der Psychotherapie für eine leichtere Betrachtung der inneren Lebenswelt. Dabei wird das innere Kind zu einer Art Symbolfigur für alle im Gehirn ab gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der Kindheit. Für die Summe aller negativen Erfahrungen wird gerne auch der Begriff des Schattenkindes verwendet. Die Summe aller positiven Erfahrungen bezeichnet man dagegen als Sonnenkind.

Das Modell des inneren Kindes ist im Prinzip eine vereinfachte Darstellung tiefenpsychologischer und psychoanalytischer Begriffe. Das macht die Arbeit mit und für den Patienten deutlich nahbarer, verständlicher und dadurch erfolgsversprechender.

Ziel der Arbeit mit dem inneren Kind sind Ursachen für Trigger und impulsives Verhalten in Deinem Unterbewusstsein aufzudecken und bewusst zu machen. Denn erst durch die Bewusstheit, warum Dich eine bestimmte Situation so aufwühlt, kannst Du daran arbeiten, in Zukunft besser damit umzugehen.

Die Arbeit mit dem inneren Kind kann Dir Antworten auf folgende und viele weitere Fragen liefern:

  • Warum kränken mich bestimmte Situationen?
  • Warum werde ich in bestimmten Situationen schnell wütend?
  • Warum habe ich Bindungsprobleme?
  • Warum reagiere ich schnell gestresst?
  • Woher kommt meine Zukunftsangst?

Dein inneres Kind und Dein erwachsenes Ich

Dein inneres Kind ist also die Summe aus all Deinen prägenden Erfahrungen aus der Kindheit auf unterbewusster Ebene. Ganz egal, ob positiv oder negativ. Bei der Arbeit mit dem inneren Kind werden das erlebende innere Kind (Gefühlsebene) und das reflektierende erwachsene Ich (Beobachtungsebene) ganz bewusst voneinander getrennt.

Das bietet Dir die Möglichkeit, Dein eigenes Verhalten besser zu verstehen, Eigenverantwortung zu übernehmen, Deine Glaubenssätze und Dein Verhalten bewusst zu verändern und einen liebevolleren Umgang mit Dir selbst zu pflegen.

02 Inneres Kind Übungen - ©www.canva.com

2. Wie Du das innere Kind findest und heilst – 5 Schritte

Über die Jahre haben sich verschiedene Ansätze der Arbeit mit dem inneren Kind entwickelt. Am Ende steht aber überall das gleiche Ziel: Seelische Wunden aus der Vergangenheit zu heilen und negative Glaubenssätze und Verhaltensmuster zu beseitigen.

„Es ist nie zu spät, eine schöne Kindheit gehabt zu haben“

Um Dein inneres Kind kennenzulernen, zu verstehen und zu heilen, sind vor allem 5 Schritte nötig.

Schritt 1 – Übernimm die Verantwortung

Du kannst nichts für Deine negative Vergangenheit. Du kannst nichts dafür, wenn Du von Deinen Eltern, Verwandten, Freunden, Lehrern oder anderen Menschen negative Glaubenssätze mit auf den Weg bekommen hast.

Du trägst nicht die Verantwortung dafür, was andere Menschen sagen. Doch Du trägst die Verantwortung dafür, wie Du das Gesagte aufnimmst. Ob Du Dir etwas davon annimmst oder ob Du es eiskalt an die abgleiten lässt.

Die meisten Menschen drücken sich vor der Verantwortung und wälzen diese gerne auf andere ab. Doch wem Du die Verantwortung gibst, dem gibst Du auch gleichzeitig die Macht. Die Macht, über Dich und Deine Gefühle zu bestimmen.

Sobald Du annimmst, dass Du selbst für alles in Deinem Leben die Verantwortung trägst, gewinnst Du sofort wieder an Macht über Dich und Deine Gefühlswelt. Eigenverantwortung legt also den Grundstein für Selbstreflexion und Veränderung mithilfe des inneren Kindes.

Schritt 2 – Sei mutig und offen

Dich und Dein inneres Kind weiterzuentwickeln, erfordert Mut und vor allem Offenheit. Solange Du Dich vor Veränderung verschließt, wirst Du Dein inneres Kind und damit Dich nicht heilen können. Wenn Du bereit bist, Dich selbst besser kennenzulernen, wirst Du auch mit Deinem inneren Kind in Kontakt treten können.

Schritt 3 – Tritt in Kontakt

Jetzt ist es an der Zeit, mit Deinem inneren Kind in Kontakt zu treten. Dafür erinnere Dich an Deine Kindheit. Um diesen Prozess zu unterstützen, kannst Du beispielsweise auch Bilder aus Deiner Kindheit zur Hand nehmen oder Videos von damals angucken.

Dein inneres Kind kann 5, 8 oder auch 12 Jahre alt sein. Das genaue Alter ist erst einmal unwichtig. Nun tritt in den Dialog. Fang an, Dich mit Deinem inneren Kind zu unterhalten. Hier kannst Du entweder einen mentalen Dialog führen oder das gesamte Gespräch auf Papier bringen.

Stell Deinem inneren Kind die folgenden Fragen:

  • Was bewegt Dich gerade am meisten?
  • Wie siehst Du zurzeit Deine Rolle in Deiner Familie
  • Welche Regeln bestimmen Dein Leben aktuell?
  • Wie verhalten sich die Menschen in Deinem Umfeld gerade Dir gegenüber?

Schritt 4 – Finde Deine Bedürfnisse heraus

Finde jetzt heraus, was Dein inneres Kind gerade in diesem Moment braucht. Ist es Liebe? Aufmerksamkeit? Schutz? Einen Freund? Eine Person zum Reden? Vertrauen?

Und jetzt überlege Dir, wie Du als erwachsener Mensch darauf positiv reagieren kannst. Wie kannst Du Dein inneres Kind so unterstützen, wie Du es damals gebraucht hättest? Wenn Dein inneres Kind beispielsweise Aufmerksamkeit und Liebe braucht, könntest Du sie ihm geben, indem Du Dir täglich 5 Minuten Zeit nimmst, es anzuhören. Oder aber einmal im Monat nimmst Du Dir einen Tag Auszeit für Dich, an dem Du einfach nur das tust, was Dir wirklich guttut.

Schritt 5 – Neues lernen

Dein inneres Kind ist mit negativen Glaubenssätzen behaftet. Jetzt liegt es in Deiner Verantwortung, als Erwachsener Deinem inneren Kind diese Glaubenssätze abzunehmen und sie ins Positive zu verändern.

Dafür ist es wichtig, Deinem inneren Kind mit Geduld und Fürsorge entgegenzutreten. Höre Deinem inneren Kind regelmäßig zu. Geh mit ihm ins Gespräch und nimm ihm die Last von seinen Schultern. So wirst Du auf Dauer Dein inneres Kind und damit auch Dich heilen

03 Inneres Kind heilen - ©www.canva.com

3. Weitere Übungen für das innere Kind

Die gerade beschriebenen 5 Schritte sind nur eine Möglichkeit, mit dem inneren Kind in Kontakt zu treten und ersetzen kein Coaching oder eine professionelle Psychotherapie. Weitere Möglichkeiten, um mit Deinem inneren Kind noch häufiger in Kontakt zu treten, können beispielsweise regelmäßiges Journaling oder auch Meditieren sein.

Journaling

Journaling ist das Führen eines Tagebuchs. Dabei geht es nicht darum, aufzuschreiben, was Du heute erlebt hast. Viel wichtiger ist es dabei, Deine eigenen Gefühle aufzuschreiben und diese mit Deinem inneren Kind in Verbindung zu setzen, um die Auslöser zu finden.

Meditieren

Beim Meditieren oder der abgeänderten Variante, der Imagination, kannst Du auf mentaler Ebene mit Deinem inneren Kind ganz direkt in Kontakt treten und Dich mit ihm unterhalten. Je öfter Du das machst, desto leichter wird es Dir fallen und umso schneller werden sich Dir  Ursprünge negativer Glaubenssätze offenbaren.

4. Interview mit Stefanie Stahl

Im deutschsprachigen Raum ist die Arbeit mit dem inneren Kind besonders durch die Psychotherapeutin Stefanie Stahl bekannt geworden. Sie beruft sich bei ihrem Ansatz vor allem auf die 4 menschlichen Grundbedürfnisse:

  • Das Bedürfnis nach Bindung
  • Das Bedürfnis nach Autonomie und Kontrolle
  • Das Bedürfnis nach Lustbefriedigung und Schmerzvermeidung
  • Das Bedürfnis nach Anerkennung

Sie war vor einiger Zeit bereits Gast in meinem DIE KUNST, DEIN DING ZU MACHEN PODCAST. Hier findest Du das gesamte Gespräch mit ihr:

5. Fazit

Das innere Kind ist ein erfolgreiches Modell aus der Psychotherapie, um Selbstreflexion und Verhaltensänderung nahbarer zu machen. Jeder Mensch hat Themen, die ihren Ursprung in negativen frühkindlichen Erfahrungen haben und die bis ins hohe Alter sein Verhalten und seine Gefühlswelt beeinflussen. Durch die Arbeit mit dem inneren Kind können diese Themen aufgedeckt und aus der Welt geschafft werden.

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